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Singapur: Tigerbier in der Löwenstadt

Fünf Monate nachdem die Idee zu A GLOBAL MESS entstanden ist, sitzen wir nun in Singapur und genießen die halbe Stunde unter dem Ventilator, bevor es wieder raus in die tropische Schwüle geht. Das Frischegefühl nach einer Dusche verflüchtigt sich bereits während des Abtrocknens. Denn wirklich trocken ist man hier nie. Noch bevor man zum Handtuch greift, beginnt sich das Leitungswasser auf der Haut mit neuem Schweiß zu vermischen. Soviel zu unserem derzeitigen Körpergefühl. Nachdem Felix mich Dienstag am Flughafen abgeholt hat, haben wir erst mal meine Sachen ins Hostel gebracht. Singapur zählt zu den reichsten Ländern der Welt, dementsprechend hoch sind die Lebenshaltungskosten. Bei unserer Unterkunft handelt es sich daher um ein 12-Bett-Zimmer im Rotlichtviertel. Einer unserer Bettnachbarn schnarcht rund um die Uhr und klingt dabei wie ein fauchender Leguan – wir vermuten, er hat die Schlafkrankheit. Gegen Abend füllt sich unsere Straße mit alten und jungen Männern, die sich an Plastiktischen zum illegalen Glücksspiel treffen. Manche von ihnen verschwinden zwischendurch auch mit einer Prostituierten im Arm in einem der umliegenden Stundenhotels. Filmen dürfen wir hier nicht, das haben sie bereits deutlich gemacht. Gestern gab es eine Razzia, danach waren die Plastiktische erst mal weg. Klingt jetzt aber alles wilder als es ist.

 

FCK JTLG!

 

Um meinem Jetlag entgegenzuwirken, sind wir noch am ersten Abend nach Marina Bay gefahren, der berühmten Bucht, von deren Brücke aus man einen atemberaubenden Blick auf die Skyline hat. Erst da realisierte ich, wirklich hier zu sein. Wir schlenderten ein bisschen herum und ließen den Abend bei ein paar Flaschen Tiger Beer ausklingen. Geholfen hat das künstliche Wachhalten jedoch nicht. Mit offenen Augen lauschte ich noch die ganze Nacht dem Krächzen des Leguans, bis ich gegen 9 Uhr morgens dann endlich wegdämmerte. Die ersten Tage sind wir dann viel herumgelaufen und die Transpiration ist dabei gelegentlich derartig eskaliert, dass mir meine Haarfarbe in roten Bächen durchs Gesicht gelaufen ist. Aber daran bin ich mittlerweile gewöhnt. Die Bevölkerung Singapurs setzt sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen. Hauptsächlich aus Chinesen, Malaien und Indern, was nicht nur zu einer gewissen Sprachvielfalt, sondern auch zu einer bunt gemischten Küche führt. Von rotem Curry über Chili-Garnelen bis hin zum Big Mac war bereits alles dabei. Jedoch grummelt mein Magen immer noch ganz schön. Ich hoffe, das gibt sich bald.

 

Skate and shy

 

Unsere erste A GLOBAL MESS Mission führte uns auf einen Skateplatz in der Innenstadt. Doch ehrlich gesagt, irritierte uns dieser Ausflug mehr als er uns nützte. Während zuhause verschiedene Crews auf solchen Plätzen abhängen, die sich gegenseitig anfeuern, filmen und abklatschen, glich der besagte Ort einem öffentlichen Sportplatz, auf dem jeder sein Training durchzog. Es waren sogar Trainer anwesend, die kleine Kinder anleiteten. Und die Teenies, die dort ihre Tricks übten, waren zwar freundlich, doch rollten immer schnell weiter, wenn wir versuchten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Alles in allem recht unbefriedigend und nicht wirklich das, was wir unter Subkultur verstehen. Gestern haben wir dann am Rand von Chinatown das Pinnacle@Duxton-Gebäude besucht. Bei den sieben durch Brücken verbundenen Hochhäusern handelt es sich um den größten öffentlichen Wohnkomplex der Welt. Interessant für uns: der mit einer Länge von 500 Metern längste Dachgarten der Welt. Für nur 6 SG$ konnten wir mit dem Aufzug in den 50. Stock fahren und einen Wahnsinnsausblick über die ganze Stadt genießen. Eine empfehlenswerte Alternative zur beliebten Riesenradfahrt für 33 SG$, zumal wir auch noch fast alleine auf der Dachterrasse waren.

 

Zu Gast im Proberaum

 

Im Anschluss haben wir uns mit Esty von der All-Girl-Hardcore-Band The Radigals in Little India getroffen. Die Chemie zwischen uns stimmte sofort. Esty führte uns in ihre Lieblingsgarküche und ließ es sich nicht nehmen, uns zum Dinner einzuladen. Das verrückte an Singapur ist, dass man in jedem Stadtteil das Gefühl hat, in einem anderen Land zu sein. So glaubten wir inmitten der kleinen bunten Häuschen und dem allgegenwärtigen Curry- und Räucherstäbchengeruch für zwei Stunden, uns in New-Dehli zu befinden. Im Anschluss nahm Esty uns mit zur Probe ihrer neuen Band C.L.A.W. Auch die anderen Bandmitglieder waren alle super freundlich und aufgeschlossen uns gegenüber – als sei es das normalste der Welt, dass zwei Europäer bei ihnen abhängen und ihnen diverse Kameras ins Gesicht halten. Der Proberaum befand sich in einem in die Jahre gekommenen Einkaufszentrum, direkt neben einem Plattenladen. Ein ca. 12 Quadratmeter großes fensterloses Zimmer, vollgestopft mit Instrumenten und Schaumstoff an den Wänden. Erst nach und nach dämmerte uns, dass das Konzert, auf dass wir heute Abend gehen werden, genau dort stattfinden wird. Vier Bands und 150 Gäste werden erwartet. Wie das gehen soll? Wir haben keine Ahnung! (Diana)