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Streetart, Streetfood, Streetgin

Die globale Unordnung fängt langsam an, ein Eigenleben zu entwickeln und Gestalt anzunehmen. Glücklicherweise ist mir diese Gestalt sehr wohlgesonnen und es scheint, als müsse ich bloß ihre große Patschhand greifen und mich von ihr mitschleifen lassen. Das mache ich natürlich gerne. Ist ja auch viel bequemer als selbst detaillierte Pläne zu schmieden. Wäre irgendwie auch nicht mein Style. So kam es dazu, dass ich eine Gruppe junger Streetartists (u.a. Krisabrigo und Choleil) kennengelernt und mich zwei Tage hintereinander mit ihnen getroffen habe. Die hatten es echt drauf und ich glaube, Choleils 40.000 Follower auf Instagram sprechen für sich. Ich durfte ihnen jedenfalls dabei zusehen, wie sie die Stadt ein wenig bunter gemacht und ihr so eine eigene Note gegeben haben. Das war wirklich cool.

 

Subventionierte Streetart

Die besagten Artists haben zum Teil eigene Galerien und werden für ihre kreative Arbeit in Manila sogar von der Stadt bezahlt. Ein besonders großes Kunstwerk entsteht gerade an einer Treppe die zu einer Schnellstraße führt. Während der Arbeiten kamen regelmäßig Radfahrer vorbei, die ihr Fahrrad die lange, steile Treppe hinauftrugen. Für mich war das ein ungewohntes Bild, da ich hier in Manila sonst nie Fahrräder sehe. Doch mir wurde erklärt, dass es sich dabei ausschließlich um Bauarbeiter handelt, die mit dem Fahrrad über die Schnellstraße zur nächsten großen Baustelle fahren. Außer jenen Bauarbeitern würde in Manila tatsächlich niemand mit dem Rad fahren.

 

Hipster-Viertel

Anschließend bin ich nach Cubao Expo gefahren, einem sehr hippen Stadtteil, in dem es Plattenläden, Designer, Antiquariate, Tätowierer, Barbershops und Restaurants gibt. Dort habe ich mich mit Tats und Reg getroffen. Die beiden Freunde haben dort vor 12 Jahren ihr eigenes Klamottenlabel namens Medisina gegründet und veranstalten seitdem auch Konzerte unter dem Namen BrgyTibay. Nebenbei spielt Tats in der Band Queso, Reg spielt bei Greyhoundz. Nach einem kurzen Spaziergang durch die idyllische Straße und einer Begutachtung des Medisina Shops, in dem ich erstmal mit Shirts und Cap ausgestattet wurde, saßen wir draußen auf Plastikstühlen, tranken Bier, aßen Squidballs und quatschen über Musik und die globale Bedeutung von Szene und Subkultur. Es fühlte sich an wie ein Nachmittag bei Coretex in Berlin. Von den knapp 10.000 Kilometern Entfernung nach Hause war nichts zu spüren.

 

Gin-Battle

Anschließend schaute auch noch das Hip Hop Kollektiv Go Smoke Mary vorbei. Die Gruppe hängt offenbar regelmäßig vorm Medisina Shop ab, daher passte das gut. Gemeinsam liefen wir zum örtlichen Supermarkt und kauften Gin und IceTea, den wir wir anschließend mit Eiswürfeln aus Plastikbechern schlürften. Nach ein paar Bechern begannen die Jungs plötzlich zu freestylen. Also habe ich mich erst mal etwas zurückgenommen und gehofft, dass mich niemand auffordert mitzurappen. Ich hatte Glück. Nach einem sehr langen und lustigen Abend bin ich schließlich totmüde in mein Bett gefallen. Ehrlich gesagt, kann ich es immer noch nicht fassen, dass ich all das wirklich erleben darf. (Felix)