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Eine Radioshow, ein Festival und viele neue Freunde

Die Ereignisse überschlagen sich und ich komme kaum noch hinterher, alles zeitnah niederzuschreiben, in Videos zu hacken und sonst wie zu teilen. Aber keine Sorge, es geht nichts verloren und ich werde weiter abliefern. Meine Tage hier in Manila sind nun gezählt und ich bin wirklich traurig, morgen aufzubrechen. Denn ich habe hier in etwas mehr als einer Woche so viele tolle Menschen kennengelernt. Menschen, die Musik und Kunst machen, Gigs organisieren, ein Label betreiben und eine Radio Show moderieren. Menschen, die sich selbst verwirklichen und eine Parallelwelt neben der etablierten aufbauen. Mit anderen Worten: Menschen, mit denen ich sehr viel gemeinsam habe. Und es mag kitschig klingen, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass unsere gemeinsame Passion für eben diese Dinge uns auf einer ganz besonderen Ebene verbindet und besonders schnell zusammengeführt hat.

 

Mein Auftritt im Radio
Emoschnulze hin oder her... Ich war im philippinischen Radio! Und das ist Fakt. Natürlich hätte ich vor meiner Abreise nie damit gerechnet, dass sowas passiert. Doch am Ende waren es die neuen Freundschaften, die dazu geführt haben, dass ich zur 100. Jübiläumssendung der Show „The Punk Connection“ des FM Radiosenders Jam 88.3 eingeladen wurde, um über A Global Mess zu sprechen. Ob ich nervös war? Vielleicht ein bisschen. Aber ich dachte mir, dass das Schlimmste was passieren könnte, ein Disaster am Ende der Welt wäre. "A Global Mess" also. Von daher hielt sich die Nervosität in Grenzen. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht und ich habe mich riesig über das Interesse an unserem Projekt gefreut. Wer das Interview verpasst hat, kann sich meinen Auftritt hier anschauen - ab Minute 35 bin ich zu sehen.

70 Bands an einem Tag
Anschließend war ich auf einem Festival am Rande von Manila, wo an dem Tag ab neun Uhr morgens insgesamt 70 Bands durchgeprügelt wurden. Ich habe in meinem zweiten Artikel schon berichtet, dass bei den hiesigen Festivals alle möglichen Genres quer Beet ein mega kurzes Set von drei bis vier Songs spielen. So auch diesmal. Die Bühne war in der Mitte geteilt und hatte links und rechts eine identische Backline. während eine Band spielte, baute die nächste bereits auf. Pausen gab es nicht. Das Fest fand auf einem Sportplatz statt und hätte locker Platz für 10 bis 20.000 Besucher geboten. Stattdessen tummelten sich jedoch nur um die 300 Besucher vor der Bühne herum. Ein merkwürdiges Bild.

Marketing-Misere
Ich habe versucht herauszufinden, was der Grund dafür war, denn offensichtlich hatte man mit mehr Besuchern gerechnet. Aber die Musiker und Gäste konnten auch nur spekulieren. Der Großteil vermutete schlechtes bzw. kein Marketing. Bands und Publikum gaben trotzdem Vollgas. Außer, als es irgendwann kurz anfing zu regnen. Da flohen die meisten Besucher nämlich auf die überdachte Tribüne. Gegen 3 Uhr nachts bin ich schließlich abgehauen, zu dem Zeitpunkt hatten immer noch nicht alle Bands gespielt. Kein Wunder, ich meine 70 Acts! An einem Tag! Alle Genres! Ich war fix und fertig, als ich zuhause ankam. Aber immerhin habe ich auch ein paar coole Punk- und Hardcore-Bands gesehen.

Hinterzimmer-Paradies
Heute ging es dann zu Mutilated Noise Records. Der Betreiber, Punxia, holte mich mittags bei meinem Hostel ab. Wir kannten uns noch nicht und ich war wieder mal beeindruckt, wie schnell man eine Connection aufbaut, wenn man viel gemeinsam hat. Punxia ist seit den 80er Jahren in der Punkszene verankert und macht Mutilated Noise seit Anfang der 90er. Seinen kleinen Shop betreibt er im Hinterzimmer seines eigentlichen Betriebs. Der Shop ist nur für Leute zugänglich, die Punxia kennt oder die ihm von einem gemeinsamen Freund vorgestellt wurden. Abgefahren! In seinem kleinen Reich sammeln sich Platten, Tapes, CDs, Fanzines, Shirts und alles was das Punkerherz begehrt.

Abschiednehmen
Viele Lokale Bands aber auch Importe sind vertreten. Und natürlich die Mutilated Noise Releases. Ein Ort mit Flair und Ambiente. Ich hätte mich dort am liebsten über Nacht einschließen lassen. Das einzige, was fehlte, war eine Klimaanlage. Ich wurde mit lokalen Fanzines und 7-Inches ausgestattet und fühlte mich wie am Weihnachtsmorgen. Anschließend fuhren wir durch die Stadt und Punxia zeigte mir, an welchen Orten er und seine Freunde früher abgehangen haben. Anschließend gab‘s noch was zu essen und einen Abstecher zum Skatepark. Morgen geht es für mich weiter nach Cebu. Auch wenn es schmerzt, ich freue mich darauf! Vielleicht darf ich da zur Abwechslung ja mal ein bisschen schlafen.