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Punk-Showdown im Einkaufszentrum

Die Punkrock-Show an unserem letzten Abend in Singapur hat alle Erwartungen übertroffen. Nachdem wir den kompletten Tag mit nervigen Dingen wie Datensicherung und Wäschewaschen verbracht hatten, mussten wir für die letzte Nacht noch mal umziehen, weil unser Hostel ausgebucht war. Dementsprechend abgehetzt kamen wir gegen 20 Uhr am Ort des Geschehens an. Der Proberaum, in dem wir die Band C.L.A.W. bereits am Tag zuvor getroffen haben, befand sich in einem heruntergekommenen Einkaufszentrum. Stillgelegte Rolltreppen, verbarrikadierte Ladenfronten – man sagte uns, dass das Gebäude „Gang controlled“ sei, weshalb sich auch die Polizei nicht um die laute Musik scheren würde. Diese Info ließ die langen leeren Gänge noch ein bisschen gespenstischer wirken. Vor dem Proberaum tummelten sich bereits einige Punks als wir eintrafen. Also setzten wir uns zu ihnen auf den Boden und tranken ein mitgebrachtes Bier. Esty und Sally gesellten sich zu uns und reichten eine Flasche Wein herum. Beeindruckend, über wie viele Stunden sie das letztendlich mit ein und derselben Flasche taten und trotzdem irgendwie betrunken wurden. Aber unser eigener Weinkonsum ist wohl kein Maßstab. Schließlich eröffnete die Band UNSUB den Abend. An die 30 Leute drängten sich in den 12-Quadratmeter-Proberaum. Die Luft hätte man schneiden können, doch die Stimmung war unglaublich.

 

Back to the 90s

C.L.A.W. waren als nächstes dran. Die Band ist noch relativ neu und es war Sallys erste Show überhaupt, weshalb sie bei der Probe noch ziemlich nervös gewesen war. Doch davon war beim Konzert nichts mehr zu spüren, als sie wie eine Wahninnige ins Mikro schrie und den ganzen Raum zum Pogen brachte. So nahm der Abend in dem verlassenen Einkaufszentrum seinen Lauf. Zwischen den Bands hingen wir auf den Gängen herum und führten ein paar spannende Interviews, während der Shows hingegen stürzten wir uns ins Getümmel. Als letztes spielten MY MAN MIKE aus Südkorea noch ein druckvolles Hardcore-Set und sorgten somit für einen würdigen Abschluss. Keine zehn Minuten später eskalierten die Anwesenden im selben Raum zu Britney Spears und den Backstreet Boys. Eine After-Show-Party nach unserem Geschmack. Getoppt wurde das 90er-Jahre-Intermezzo lediglich durch die spontane Idee, den benachbarten Schlager-Club zu stürmen. Man stelle sich die asiatische Version der Essener Drehscheibe vor: Auf der Bühne standen an die 20 Frauen in absurden Abendkleidern, die nacheinander asiatische Klassiker zum Besten gaben, um sich dabei die Blumenkränze der anwesenden Jury zu verdienen. Auf der Tanzfläche davor tanzten betrunkene Paare mittleren Alters eine Art Discofox und flirteten auf eine Art und Weise miteinander wie nur 50-Jährige es können. Wir mischten uns in einer Gruppe von 15 Punks darunter und wussten bereits in dem Moment, dass wir diesen Abend werden nie mehr vergessen würden!

 

 

Die unendliche Reise nach Kula Lumpur

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof, da unsere Weiterreise nach Malaysia anstand. Bereits nach einer Viertelstunde hatten wir die Grenze des Stadtstaates erreicht und alle stiegen aus. Felix fragte den Busfahrer, was mit unserem Gepäck im Kofferraum sei, doch der schrie ihn bloß an: „Passport! Passport!“, und machte uns die Tür vor der Nase zu. Na danke. Zehn Minuten später waren wir offiziell aus Singapur ausgereist und hielten auf der anderen Seite nach dem Bus Ausschau. Doch das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Denn dort standen an die 60 Busse bereit, die alle gleich aussahen. Etwas überfordert irrten wir eine Weile umher, bevor wir unseren schließlich fanden und uns erleichtert in die Sitze fallen ließen. An der malaysischen Grenze wurden wir dann wieder hinausgeworfen – diesmal mit Gepäck. „Passport! Passport!“ Zuvor hatten wir ein paar Bedenken, dass unsere Kamera- und Mikro- Ausrüstung Fragen aufwerfen könnte, doch die Einreise gestaltete sich leichter als gedacht. Auf der anderen Seite dann das bereits bekannte Problem: Where’s the fucking bus?! Wir suchten bestimmt eine halbe Stunde, bis wir ihn am Ende des überfüllten Parkplatzes schließlich anhand des Nummernschildes identifizieren konnten. Gegen 15 Uhr setzen wir unsere Reise fort, laut Plan waren wir zu diesem Zeitpunkt noch drei Stunden von Kuala Lumpur entfernt. Doch die Rechnung der pünktlichen Ankunft hatten wir ohne diverse Störfaktoren gemacht. So tuckerten wir mit 60 km/h über eine Autobahn, die uns stundenlang durch den Regenwald führte und sobald wir uns einer Stadt näherten, standen wir im Stau. Lief dann doch mal alles glatt, dauerte es meist nicht lang, bis einer der Mitreisenden eine ungeplante Pinkelpause einforderte.

 

La Cucaracha

Kuala Lumpur erreichten wir am Ende nicht wie angekündigt um 18 Uhr, sondern erst um Mitternacht. Dummerweise hatten wir weder einen Cent der Landeswährung noch eine malaysische SIM-Karte in der Tasche. Also mussten wir uns samt Gepäck (und ohne Google Maps) zu Fuß auf den Weg zum Hotel machen. Die Gehwege stellten sich dabei direkt als erste Herausforderung heraus. Alle zwei Meter gab es ein Kanalisationsloch, dessen Deckel fehlte und am Straßenrand stapelten sich Bauschutt, Müll und tote Ratten, die es mit jeder Straße zu überwinden galt. Aber hey, immerhin war es einen Tick weniger schwül als wir es vom Äquator gewohnt waren. Nachdem wir schließlich unser fensterloses Zimmer bezogen hatten, quälte uns der Hunger noch einmal vor die Tür. Doch bis auf eine Garküche wirkte bereits alles sehr ausgestorben. Felix schaufelte sich dort erst mal den Teller voll, doch aus Rücksicht auf meinen Magen beschränkte ich mich auf ein Fladenbrot. Während wir aßen beobachtete ich eine Kakerlake in der Größe einer Feldmaus, die unter dem Büffet ihre Runden drehte. „Willkommen im richtigen Asien“, strahlte Felix mich mit vollem Mund an. Ich sage mal so, solange das Krabbelvolk nicht unter meinem Bett sein Unwesen treibt, ist es mir relativ egal. Und da Malysia sehr viel billiger als Singapur ist, sind wir hier ja auch nicht mehr auf Hostels angewiesen, sondern können uns ein Upgrade gönnen. In den nächsten Tagen werden wir erst mal ein bisschen die Stadt erkunden und fürs Wochenende sind bereits die ersten Konzerte geplant. In diesem Sinne: Happy Welcome to Kuala Lumpur! (Diana)