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Kuala Lumpur: Tempel, Affen, Aktivismus

Mittlerweile liegt unsere Zeit in Kuala Lumpur schon wieder in weiter Ferne – zumindest fühlt es sich so an. Daher wird es höchste Zeit, euch noch mal eine Zusammenfassung dieses Kapitels zu geben. Die ersten zwei Nächte nach unserer Anreise verbrachten wir in einem fensterlosen Hotelzimmer, das schon mal eine große Verbesserung gegenüber dem 12-Bett-Zimmer in Singapur war. Wir erkundeten die Stadt zunächst zu Fuß, doch irgendwie wollte der Funke bei uns nicht richtig überspringen. Ich kann nicht einmal sagen, woran das lag. Vielleicht vermisste ich auch einfach bloß unsere Freunde in Singapur. Am dritten Tag konnten wir schließlich das Airbnb beziehen, das wir vorab gebucht hatten. Die Wohnung war der Wahnsinn: 80 Quadratmeter im 16. Stock eines Hochhauses: eine eigene Küche, ein Wohnzimmer zum Arbeiten, eine riesige Dusche und ein Schlafzimmer mit Glasfront, von wo aus man die gesamte Skyline der Stadt sehen konnte. Eigentlich schon krass genug, wären da nicht noch das Fitnessstudio und der Infinity Pool auf dem Dach gewesen. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass wir uns dort schnell einlebten und dieser Rückzugsort genau das Richtige nach dem Hostel mit den schnarchenden Bettnachbarn und den schimmelnden Duschen war.

 

Affen-Action

In der ersten Nacht tobte ein heftiges Gewitter über Kuala Lumpur und wir beobachteten stundenlang wie Blitze in die umliegenden Wolkenkratzer einschlugen. Besser als Netflix, sag ich euch. Am Tag darauf beschlossen wir, einen Ausflug zu den Batu Caves zu machen. Also fuhren wir mit dem Zug die rund 15 Kilometer aus der Stadt heraus, um mit hunderten anderen Touristen die 272 Stufen bis zu der berühmten Tempelhöhle zu bezwingen. Am Ende war es jedoch weniger anstrengend als befürchtet, was eventuell an der Begleitung einer freundlichen Affenbande lag. Die Höhle, in der sich zahlreiche Hindu-Schreine befanden, war allein durch ihre Deckenhöhe von 100 Metern extrem beeindruckend. Leider waren die interessanten Bereiche größtenteils eingerüstet, worunter die Atmosphäre ziemlich gelitten hat. Der Abstieg über die Treppen fiel mir entgegen aller Erwartungen schwerer als der Aufstieg. Denn es war mega steil und ich hatte mit dem ein oder anderen Schwindelanfall zu kämpfen. Wenn ihr es noch nicht gesehen habt, guckt euch am besten unser IGTV-Video an – wir lachen darüber bis heute.

 

Geheimtipp: Punkrock-Show

Von einem unserer Kontakte bekamen wir schließlich den Tipp, ein Konzert in einem abseits gelegenen alternativen Zentrum zu besuchen. Gesagt, getan. Das Taxi schmiss uns in einer echt düsteren Gegend raus und von dem Veranstaltungsort war weit und breit nichts zu sehen. Orientierungslos marschierten wir an geschlossenen Werkstätten und verlassenen Gebäuden vorbei, bis wir schließlich zwei Typen bemerkten, von denen einer ein Anarchie-Zeichen auf dem Rücken trug. Wir sprachen die beiden an und begleiteten sie in ein scheinbar verlassenes Fabrikgebäude, das wir unter anderen Umständen niemals betreten hätten. Der Aufzug spuckte uns auf der 18. Etage aus und sofort schlug uns laute Musik entgegen. Wie so oft reichte auch an diesem Abend eine Band der anderen das Mikro in die Hand. Frauen gab es außer mir lediglich zwei und zudem galt auf der Show striktes Alkoholverbot. Der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil, ich habe selten einen solchen Pogo gesehen und die Bands waren richtig gut.

 

Zu Gast im Künstlerkollektiv

Natürlich zogen wir die Aufmerksamkeit der anwesenden Punkrocker auf uns und durften daher regelmäßig für Fotos mit ihnen posieren. Das spannende an diesem Punk-Exil war auf jeden Fall, dass es neben dem Konzertraum auch noch ein Café, einen Platten- und einen Klamottenladen gab. Dort führten wir später auch noch ein spannendes Interview, doch dazu an anderer Stelle mehr. An unserem letzten Tag waren wir beide ein bisschen angeschlagen, da wir uns durch den ständigen Wechsel zwischen schwüler Tropenluft und klimatisierten Kühlschrank-Gebäuden eine nervige Erkältung eingefangen hatten. Doch wir rafften uns auf und wurden belohnt. Denn wir durften in einem alternativen Künstlerzentrum an einem Print-Workshop teilnehmen und unsere eigenen T-Shirts gegen Polizeigewalt bedrucken. Während wir an den Shirts arbeiteten haben wir von dem Künstler und einer anwesenden Aktivistin eine Menge über die vorherrschenden Repressionen in Südostasien erfahren. Aber auch dazu an anderer Stelle mehr, da das hier den Rahmen sprengen würde. Abschließend können wir sagen, dass wir eine tolle Zeit in Kuala Lumpur hatten, von der wir viel mitnehmen werden. Doch es sollte nicht unsere letzte Station in Malaysia sein. (Diana)