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Festival in Manila

Das Chaos nimmt seinen Lauf. Vorgestern Nacht bin ich in Manila gestrandet. In der Hauptstadt der Philippinen holte ich dann erst mal den fehlenden Schlaf nach, bevor ich mich am nächsten Tag um 13 Uhr schon wieder auf einem Musikfestival herumtummelte. Im Vorfeld hatte ich natürlich schon Recherchen betrieben und mir war aufgefallen, dass für die Veranstaltung eine ganze Latte an Bands (nämlich 17!) angekündigt worden waren, die genremäßig alles von Indie Rock über Punk und Hardcore bis Hip Hop abdeckten. Grund für diese bunte Mischung war das 12-jährige Jubiläum des Veranstalters BrgyTibay, der in Manila für seine genreübergreifenden Events bekannt ist.

 

Gewagter Genremix

Dennoch wollte es mir einfach nicht in meine durch Schubladen aufgeteilte und gut sortierte deutsche Bollerbirne gehen, wie ein solches Konzept überhaupt aufgehen kann. Aber was soll ich sagen: andere Länder, andere Sitten. Über die Mischung schien sich außer mir nicht wirklich jemand zu wundern. Bei uns kennt man wilde Zusammenstellungen wie diese eigentlich nur von Nachwuchs-Contests örtlicher Jugend- und Kulturhäuser, bei denen sich der musikalische Nachwuchs anmelden kann. Doch damit kann man das Happening in Manila nun wirklich nicht vergleichen. Denn die Bands wurden teilweise extra aus China und Indonesien eingeflogen und die zogen ordentlich Fans an, die textsicher all ihre Lieder mitsangen.

 

Pures Entertainment

So wechselten sich emotionale Indie-Rock-Baladen, bei denen aufgebrachte Teenagerinnen auf den Schultern ihrer Freunde mitsangen, mit harten Moshpits ab, wie ich sie selten zuvor erlebt habe. Stellt euch vor, Ed Sheeran und Agnostic Front würden in derselben Halle spielen und zwischen den Gigs gäbe es gerade mal zehn Minuten Umbaupause. Wie gesagt, dem Publikum war das alles egal, wem es nicht gefiel, der ging einfach raus. Was gibt es sonst noch zu berichten? Das Bier war kalt, die Grillspieße heiß, es gab eine ganze Reihe an Sponsoren und zwischendurch wurden Spiele gespielt. Kein Witz, ich wurde zum Beispiel Zeuge eines Wettessens.

 

Neue Gesichter

Zwei Kontrahenten mussten einen Grillteller mit einer offensichtlich sehr scharfen Sauce in sich reinschlingen und anschließend ein Bier auf Ex trinken. Vielleicht haben sie das Bier auch freiwillig in sich hineingeschüttet, mit den Regeln bin ich noch nicht so sehr vertraut. Auf jeden Fall bekam der Gewinner einen ganzen Beutel voller Merch-Kram geschenkt. Reines Entertainment, sag ich euch! Neben dem Publikum durfte ich außerdem auch einige Bands, örtliche Fotografen und den Veranstalter kennenlernen. Ich wurde ordentlich mit Bier-Bons ausgestattet und hatte eine Menge Spaß mit vielen neuen Bekannten. Am Ende war ich volle 14 Stunden vor Ort und habe meine Klamotten mehr als einmal komplett durchgeschwitzt. Ein langer Tag, doch ich habe mich nicht eine Sekunde gelangweilt. So kann’s weiter gehen.

(Felix)