· 

Essen oder Cebu - Hauptsache Punkrock!

Nachdem ich Manila so sehr ins Herz geschlossen und dort unglaublich viel erlebt hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie Cebu da auch nur ansatzweise mithalten sollte. Aber siehe da: I stand corrected... Die ersten Kontakte in Cebu waren schnell geknüpft und schon bald wurde ich zu diversen Graffiti-Jobs und einer Bandprobe mitgenommen. Im Anschluss habe ich mir dann erst mal eine Auszeit am Strand gegönnt. Nicht falsch verstehen, ich liebe den Trubel, aber die ersten drei Wochen meiner Reise waren von Non-Stop-Action geprägt. Daher musste ich mich dem Ganzen einfach mal entziehen, um alles verarbeiten zu können. Und ja, natürlich wollte ich auch mal mit dem Moped durch Palmenwälder fahren und von einem zwölf Meter hohen Wasserfall in blaues Wasser springen. Ich lebte also für ein paar Tage in einer Bambushütte am Meer, deren Einrichtung aus einem Bett und einem Moskitonetz bestand. Bei Sonnenaufgang ging ich joggen, anschließend sprang ich ins Meer. Und abends baumelte ich in meiner Hängematte herum und trank Bier aus sportlichen 0,33er Flaschen.

Abschied bleibt Scheiße

Mit anderen Worten: Ich lebte vier Tage lang ein sehr klischeehaftes Inselleben. Und auch wenn diese vier Tage bitter nötig waren und ich sie wirklich genossen habe, zog es mich am Ende dann doch zurück ins laute, überfüllte Cebu - mit all seinen Macken und Kanten. Als schließlich auch dort der letzte Abend gekommen war, gab es einen ganz besonderen Abschied. Denn meine neuen Freunde vom Punkkollektiv S.R.A. haben für mich ein Konzert mit dem Namen A GLOBAL MESS auf die Beine gestellt, bei dem insgesamt sieben Punkbands spielten. Fun Fact: Mein Buddy Sandy spielt in fünf davon! Von 77- über Skate- bis Streetpunk und Oldschool Hardcore war alles dabei. Und obwohl ich mich am anderen Ende der Welt befand, fühlte ich mich an diesem Abend in die Zeit zurückversetzt, als ich selbst noch mit meinen Kumpels in heruntergekommenen Proberäumen abhing, um Musik zu machen. Ich erinnerte mich an ein Konzert, das ich mit meiner damaligen Band NOTSCHLACHTUNG im legendären SPASSHAUS spielte - das muss so ca. 2005 gewesen sein.
Damals fehlte uns ein Mikroständer, weshalb wir einen Besen an einen Stuhl tapten und ein Mikro daran befestigten.

Und Punk bleibt Punk

Und wie der Zufall so wollte, fehlte auch an meinem Abschlussabend in Cebu der Mikroständer. Und jetzt ratet mal, womit sie improvisierten. Richtig, mit einem Besen, den sie an einer Kunstskulptur angebracht haben. Irgendwie noch cooler als unsere Nummer mit dem Stuhl, doch in dem Moment wurde mir mal wieder klar: Punk bleibt Punk. Egal wo. Am Ende des Abends mussten wir Abschied voneinander nehmen. Abschiede fallen mir immer schwer, doch dieser hatte es in sich. Denn im Gegensatz zu Manila, wo ich schrittweise Lebewohl sagen konnte, hatte ich es in Cebu mit der geballten Kraft derer zu tun, die ich in Cebu kennengelernt hatte. Ich hoffe wirklich, dass ich es irgendwann dorthin zurückschaffen werde. Zurück ins Asylum 38 und zu S.R.A. Morgen werde ich die Philippinen endgültig verlassen und nach Indonesien aufbrechen. Denn ich habe gehört, dass es auch auf Bali Punk gibt. Allerdings finde ich, dass ich mir auch dort noch mal ein kleines Stranderlebnis geben könnte... Wir werden sehen. (Felix)